BAUMHAUS

2014 ENTWURF | BEITRAG ZUR IBA THÜRINGEN | FREIRÄUME FÜR DIE BILDUNGSLANDSCHAFT | ENTWURF UND PÄDAGOGISCHES KONZEPT EINES BAUMHAUSES AUS RECYCELTEN BAUMATERIALIEN ALS LERNRAUM | GEMEINSAM MIT LEHRERN UND PÄDAGOGEN DER FRIEDRICH ADOLF RICHTER SCHULE | RUDOLSTADT | BAUHAUS-UNIVERSITÄT WEIMAR | PROFESSUR FÜR BAUFORMENLEHRE | PROf. BERD RUDOLF

Die Herausforderungen, die der demografische Wandel und die Energiewende an die Gesellschaft stellen, sind groß. Um eine Lösung für die Problematik zu entwickeln, ist Kreativität gefragt. Diese aktiviert sich nur, indem man ein Bewusstsein für die Thematik weckt. Erst das eigene Interesse und Verständnis motiviert Antworten zu finden. Deswegen richtet sich das ab Mitte September 2014 startende Realisierungsprojekt gezielt an die jüngere Generation – die Zukunft. Schon hier soll eben dieses Interesse geweckt werden um Hintergründe begreiflich zu machen. Interesse entsteht nicht immer aus sich selbst heraus. Es kann aber gezielt geweckt werden. Am besten erreicht man dies, indem man jedem Einzelnen die Möglichkeit gibt aktiv mitzuwirken, eigene Ideen einzubringen und diese auch umzusetzen. Diese aktive Teilnahme soll im Rahmen eines Bauexperiments an einer Thüringer Schule stattfinden.

Die Umsetzung wird mit 10- bis 16-jährigen Schülern einer freien Gesamtschule in Rudolstadt stattfinden. Diese sollen in den einmaligen Herstellungsprozess einer Microarchitektur integriert werden und somit an die Aspekte Nachhaltigkeit und Architektur näher herangebracht werden. Der entstandene Spiel- und Freiraum ist ein Experimentierfeld des selbstständigen Gestaltens und Veränderns, um eigene Ideen zu entwickeln und um Raumerfahrungen außerhalb der gewöhnlichen Schulstruktur zu sammeln. Im Inneren dieser Microarchitektur entsteht ein Raum, der zu permanenter Veränderung und aktiver Mitgestaltung der Klassen einladen soll. Ein Raum, in dem alles erlaubt ist. Dies fördert eine aktive Auseinandersetzung mit und Gestaltung des Innenraums innerhalb einer schützenden Struktur, die, was die Nutzung angeht, flexibel bleibt.

Die Erkenntnisse, die über die zieloffene, freie kreative Tätigkeit gewonnen werden, können spielerisch auf andere Bildungsbereiche übertragen werden und führen die Jugendlichen zu einem offenen und souveränen Umgang mit ihrer Alltagsrealität. Denn durch das experimentelle Probehandeln, das typisch ist für kreative Prozesse, wird die Stärke des Mediums Architektur deutlich: Sie kann Bildungsprozesse einleiten, indem der eigene Erfahrungshorizont mit der Wirklichkeit des „Werkes“ abgeglichen werden kann.

Darüber hinaus schließt dieser, als spezieller Klassenraum, die Lücke zwischen dem konventionellen Lernen im Klassenzimmer und dem Unterricht in der Natur. Dabei entwickelt er aufgrund der Eigenständigkeit, Form, Materialität und Flexibilität in der Nutzung, Qualitäten die sowohl einen modernen pädagogischen Ansatz verfolgen als auch die Nutzung über den reinen Schulbetrieb nicht ausschließt.

Das auf Stützen stehende „Baumhaus“ besteht aus einer einfachen Holzkonstruktion und positioniert sich inmitten von Bäumen auf dem großzügigen Grundstück der Schule. Diese autarke Low-Tech-Architektur setzt auf eine nachhaltige und ökologische Bauweise mit recycelten Materialien, die ihre ursprüngliche Funktion nicht mehr erfüllen, jedoch an dieser Stelle einem neuen Zweck zugeführt werden. Dabei handelt es sich einerseits um Einwegpaletten aus der Papierindustrie und andererseits um Holzfenster, die im Zuge unzähliger Altbausanierungen nicht mehr benötigt werden. Durch Solarpaneel versorgt sich das Bauwerk mit Strom und bedient sich einfachster Mittel der passiven Bauklimatik.