BLOCKHAUS

2015 THESIS ARCHITEKTUR | MASTERTHESIS | ENTWURF UND UMNUTZUNGSKONZEPT ZUM AUSSTELLUNGSGEBÄUDE FÜR ZEITGENÖSSISCHE KUNST | BLOCKHAUS DRESDEN | TRASFORMATIONS ALS PROGRAMMIERBARE SYMBOLIK KOLLEKTIVER IDENTITÄT IM STADTRAUM | BAUHAUS-UNIVERSITÄT WEIMAR | BEI PROF. BERND RUDOLF

Als inhaltliches Gegengewicht zur historischen Altstadt wird der Kunstblock in respektvollem Abstand und dennoch in direkter Nähe als zeitgenössischer Ort der Kunst entstehen und dem schlecht organisierten Neustädter Markt zu neuer Blüte verhelfen. Er dient vom repräsentativen Kopf der Neustadt aus, als vermittelndes Bindeglied im Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Der Kunstblock ist die deutlich sichtbare Funktionsumgestaltung des seit Jahren leerstehenden Dresdner Blockhauses zum ersten groß angelegten Zentrum der Gegenwartskunst in Dresden.  Er soll die reichhaltigen historischen Sammlungen der Altstadt auf der Neustädter Seite ergänzen und die im Barock entstandene Vision der Kunststadt 300 Jahre später aktiv in die Tat umzusetzen. Da Architektur im Gegensatz zur Kunst immer öffentlich ist muss ein Bauwerk auf der Ebene des Wahrnehmens sozial akzeptiert und kulturell geschätzt werden. Dies versucht der Kunstblock als eine inszenierte Architektur welche über die reine Nutzung hinaus auf narrative Art und Weise einen Dialog zwischen Mensch, Ort und Zeit aufbaut. Ein direktes Verständnis des Betrachters kann ebenso wie die Akzeptanz nie garantiert werden. Doch entsteht durch die teilweise überspitzten Mittel eine Ebene der Interpretation, welche echtes Interesse anregt sich mit dem Bau zu beschäftigen, Fragen aufwirft und das Bauwerk spannend macht. Da Gefallen nicht nur individuell wahrgenommener Ästhetischer Natur wie Formalien der Proportion oder Material ist, sondern vielmehr auf einem Wertesystem der kollektiven Akzeptanz basiert, versucht der Kunstblock die lokal verankerten Konventionen aufzugreifen. Der Entwurf sucht seinen Ansatz nicht in diesen formalen Aspekten sondern greift am Ursprungsgedanken an. Es wäre nicht im Sinne des barocken Vaters der Stadt gewesen alles unter einer Käseglocke zu konservieren. Er stand für Veränderung. Eben jede Veränderung die heute benötigt wird um den Motor der Stadt in Gang zu setzten. Im Laufe des Entwurfs entstand folgender Vergleich der abschließend aufgeführt wird.

Der Regenbogen wird durch zwei selten in Kombination auftretenden Ereignissen erzeugt: Sonnenschein und Regen! Nur durch das perfekte Zusammenspiel entsteht das atmosphärisch, optische Phänomen des Regenbogens. Der Regenbogen kann nicht ohne eine der beiden Zutaten entstehen. Dieses Prinzip lässt sich ebenso auf den Kunstblock anwenden: Der Kunstblock als Regenbogen ist nur möglich da es den Bezug zu dem was schon da war und zu dem was ist als ein Phänomen vereint. Durch das Aufsetzen ergibt sich zu gleichen Teilen ein Bild zwischen Fortschritt und Historie. Der Ausdruck des KUB versteht sich als die Symbiose sich entgegengesetzter Elemente die in einer Momentaufnahme festgehalten werden. Es ist der Versuch eine Bauform aus der Schnittmenge von Kontrasten zu erzeugen. Ein erzeugtes Phänomen das nur symbiotisch und auf einer symbolischen Ebene existieren kann.

IDENTITÄT Wie dem geschichtlichen Verlauf zu entnehmen ist, erblühte die Stadt Dresden in der Zeit des Barock unter August dem Starken. Unter seiner Regentschaft erhielt Dresden einen enormen wirtschaftlichen, infrastrukturellen und kulturellen Fortschritt von dem die Stadt bis heute zehrt. Daher besinnt sich die Stadt Dresden heute noch lebhaft auf ihr historisches Erbe, das geschützt, erhalten und zelebriert wird. Dies äußert sich seit der Zerstörung im Leitmotiv der Dresdner Altstadt, die eine Rekonstruktion und Anpassung an die barocke Vergangenheit zum Ziel hat. Diese Zeit stand im Zeichen des Aufschwungs und einer Vision und verhalf der Stadt zu einer wichtigen internationalen Rolle. Dieser Gedanke ist heute noch aktuell. Dresden sucht als Kunst und Kulturstadt nach einer Position im internationalen Gefüge. Derzeit definiert sich diese Position aus dem historischen Erbe. Dem unterliegt allerdings auch eine gewisse Endlichkeit die einer Weiterentwicklung entgegenwirkt. Zerstörte Bauwerke werden zwar wieder errichtet jedoch beschränkt sich dies auf formale Elemente wie städtebauliche Wiederherstellung oder der Verwendung von Materialien wie Sandstein, die schon früher genutzt wurden. Diese Identität ist nicht allumfassend. Sie vernachlässigt den ursprünglichen Gedanken und die Vision unter welcher sich Dresden zu dem entwickeln konnte, dass es heute noch versucht darzustellen. Die Vision basierte auf der Weiterentwicklung und Veränderung. August der Starke hätte die Stadt nach dem Brand wieder genauso aufbauen können, entschied sich jedoch bewusst dagegen, weil er die Möglichkeit sah etwas Größeres zu formen. An diesem Punkt setzt der konzeptionelle Gedanke des Kunstblocks an. Er kleidet sich nicht in Formalien und versucht etwas zu imitieren. Er provoziert eine Weiterentwicklung, die nicht im Sinne des Neu-Erfindens steht, sondern im Weiterdenken des Erbes und der Vision. Das Bauwerk soll ein symbolhaftes Aufgreifen des Gedankens repräsentieren. Hier positioniert sich der Kunstblock zwischen Vergangenheit und Zukunft als Sinnbild der Gegenwart.

AUSSEN Architekturen können sich im Rahmen von Konkurrenzverhältnissen als Manifeste verschiedener Wirklichkeitskonzepte darstellen. Die Psychologie lehrt, dass Identitäten durch Abgrenzung erzeugt werden. Nicht nur die Definition des Selbst, sondern vielmehr des Außerhalb schafft diese Identität. Diese als relational zu beschreibende Eigenschaft der Architektur definiert sich durch Stil, Bauform und dem städtebaulichen Verhältnis in Form von Sichtbeziehung, Kubatur und Material zu anderen Bauwerken. In diesem Sinne bildet der Erweiterungsbau des Kunstblocks die Schnittstelle aus Vergangenheit und Gegenwart. Er repräsentiert eine geistige Haltung über den reinen Nutzen von Kunst hinaus als verbindendes Glied. Das Blockhaus wurde unter August dem Starken errichtet allerdings nie vollendet. Diese Tatsache symbolisiert den Weg Dresdens von der Blütezeit des Barock bis zur heutigen Zeit. Dresden ist nicht beendet und darf sich weiterentwickeln. Jedoch geschieht dies auf dem vorhandenen Fundament und historischen Erbe der Stadt. Der Kunstblock baut auf den barocken Bestand auf und erhält nur dadurch seine Legitimation. Als Erweiterungsbau steht er für die Weiterentwicklung der Stadt. Ein eigenständiger Neubau würde die Aussage verfehlen. Die Umgebung ist vom barocken Städtebau geprägt. Eine der Hauptfluchtlinien verläuft vom Albertplatz über den Neustädter Markt auf das Blockhaus. In der Mitte des Neustädter Marktes befindet sich der Goldene Reiter. Dieser zeigt das Abbild August des Starken. Fotografiert man den Goldenen Reiter von vorn ist unweigerlich ein Teil der Dresdner Altstadt auf der Anderen Elbseite sichtbar. Genau zwischen dem Goldenen Reiter und der Altstadt ist das umgebaute Blockhaus zu sehen. In diesem Sinne in seiner vermittelnden Funktion zwischen Vergangenheit und Gegenwart als Inbegriff der weitergeführten Vision. Der Kunstblock kann nur an dieser einen Position als Konglomerat aus Alt und Neu, zwischen Alt- und Neustadt, funktionieren. Nur dort kann er sich als das was es ist darstellen. In diesem Sinne inszeniert der Kunstblock den städtischen Raum. Wie ein Theaterstück nicht in jedem Theater aufgeführt werden kann, kann diese Architektur nur an dieser Stelle aufgeführt werden. Der Kontext bildet den Rahmen für diese Art der Architektur. Eine Architektur des expressiven Moments, die eine Geschichte erzählt.

Die gebaute Umwelt stabilisiert dauerhaft die Strukturen sozialer Handlungen und formt die soziale Wirklichkeit in der wir leben. Die Gesellschaft formt ihre Umwelt und diese wiederum formt die Gesellschaft. Diese intensive wechselseitige Einflussnahme macht Architektur zur materiellen Gegebenheit der Gesellschaft. Ordnungen der Gesellschaft zeichnen sich in der Architektur ab, welche einen Ausdruck von spezifisch kulturellen, historischen und gesellschaftsstrukturellen Zusammenhängen darstellt. In dieser wechselseitigen Einflussnahme ist Architektur die expressive Dimension als soziale Ordnung, symbolische Inszenierung und kreativ/ästhetischem Zeitgeist. Zudem umschließt sie die alltägliche Lebenstätigkeit als räumliche Einheit, die eine körperlich wirksame Realität herstellt.

Die Fassade des Kunstblocks erscheint am Tag fast unsichtbar. Die Spiegelung lässt das Bauwerk beinahe verschwinden. Angestrebt wird hierbei nicht ausschließlich der Gedanke des Unsichtbaren. Die Fassade spielt mit der Wahrnehmung durch eine Metamorphose zwischen Tag und Nacht. Somit verändert sich das Gebäude mit den äußerlichen Gegebenheiten. Am Tag zeigt die verspiegelte Fassade die Dekonstruktion des Altbaus und dessen, über die Jahre zurückgeformten Zustand. Es zeigt nur was wirklich vom originalen Bauwerk erhalten ist und damit, dass Dresden seit der Zeit des Barock vielen geschichtlichen Ereignissen unterlag. Des Weiteren wird die überhöhte Kubatur am Tag zwar wahrgenommen, stellt sich jedoch  nicht in den Vordergrund und lässt den Bestand sprechen. Im gleichen Zug könnte man der Spiegelfassade folgendes Sinnbild zuschreiben. Alles ist ein Spiegel seiner Umgebung. Die Menschen sind es und auch Kunst ist es. Alles entsteht in einer Wechselwirkung. Wir werden von außen beeinflusst und beeinflussen unser Außen. In dem Gebäude spiegelt sich die Umwelt ab. Ein Spiegel bildet ein reales Bild ab, das eigentlich nicht existent ist. Ebenso macht es Kunst. Sie bildet die Realität ab, ist diese aber nicht.  Ebenso arbeitet der Spiegel nur im Hier und Jetzt und auch nur wenn ihn jemand wahrnimmt. Gleiches gilt für die zeitgenössische und auch allgemein für die Kunst.

Durch die Veränderung wird man auf die Gegenwart aufmerksam gemacht.

Um dem vollständigen unsichtbar werden des Neubaus bei Tag entgegen zu wirken, ist die Fassade leicht geknickt. Hierdurch hat jedes Fragment eine andere Spiegelung. Die Fassade ist nicht orthogonal gegliedert, sondern in seiner Ansicht gewinkelt. Die Kubatur drückt Unbeweglichkeit aus. Dennoch zeigt die Fassade am Tag durch ihre Knicke die Dynamik der zeitgenössischen Kunst und ihre Präsentation in ständig wechselnden Ausstellungen.

Das Schräge ist menschlich. Jeder Mensch macht es ein bisschen anders, jeder Mensch ist einzigartig. Die Norm existiert zwar, ist jedoch imaginär. In der Realität gibt es lediglich Annäherungen an eine Perfektion, aber nie ein vollkommenes Bild. Eine klare, strenge und in diesem Sinne perfekte Form ist technisch und unmenschlich. Da Kunst das Ergebnis eines kreativen Prozesses und damit menschlicher Ausdruck ist, möchte sich auch die repräsentierende Architektur nur der klaren Form nähern aber nie eine sein. Die Architektur sucht das Schräge und Menschliche, das Spannende und Rätselhafte.

Bei zunehmender Dunkelheit wird durch die Beleuchtung im Inneren die Farbe freigesetzt. Der Neubau tritt in den Vordergrund. Seine gesamte Größe kommt mehr und mehr zum Vorschein.  Am Abend nimmt man das wahr, dass auch schon am Tag die ganze Zeit da war. Es verändert sich nur die Gegebenheit aber nicht das Gebäude selbst. Es spielt mit uns. Es ist eine weitere Schnittstelle die unsere Wahrnehmung testet.

Eine der Grundlage jedes künstlerischen Studiums ist die Auseinandersetzung mit Farbe. Hierzu gibt es verschiedene Farbsysteme die eine Darstellungsform von Farbbeziehungen sind. Die Farbwahl der Fassade leitet sich aus dem Farbkreis von Johannes Itten ab. Faltet man den Farbkreis auf erhält an ein lineares Bild das die Farbpalette geordnet abbildet. Eine Durchmischung findet durch die nonlineare Rasterung der Fassade statt, wodurch sich die angrenzenden Farben durchmischen. Dieses Muster wurde als Farbschema auf die Fassade projiziert.