INBETWEEN

2016 WETTBEWERB DESIGN | INBETWEEN | RÄUMLICHE INTERVENTION ZUR REVITALISIERUNG BRACHLIEGENDER FREIFLÄCHEN IN GROSSWOHNSIEDLUNGEN

PROBLEMSTELLUNG Den größten Teil des Lebens verbringt der Mensch in umbauten Raum. Im Massenwohnungsbau ist dieser Raum in der Regel nicht auf die spezifischen Bedürfnisse der Benutzer zugeschnitten. Hier ist eine Nutzungsdiskrepanz zwischen öffentlichem und privatem Raum festzustellen. Die damalige Wohnungsnot wurde in den 70er Jahren durch eine modularisierte, in großer Anzahl schnell und kostengünstig herzustellenden Bauweise befriedigt. Auch heute noch sind die in großer Zahl vorhandenen Plattenbausiedlungen, Orte des niedrigsten Mietsegments, weswegen ein Großteil der Bewohner diesen aus monetären Beweggründen als Wohnort wählt.

POTENTIAL Die Struktur solcher Siedlungen zeichnet sich durch eine lockere und regelmäßige Anordnung aus. Die mehrgeschossigen Bauwerke beherbergen auf einer verhältnismäßig niedrigen Grundfläche eine hohe Anwohnerdichte. Dem gegenüber stehen große Freiflächen zwischen den Bauwerken. Da diese zwar dem Bauwerk zugeordnet sind aber dem öffentlichen Raum unterliegen entsteht ein Verantwortungsvakuum. Zudem weisen diese Flächen nur geringe Anreize zur Nutzung auf, wodurch es zu Problemen bei der Aneignung der Freiflächen kommt. Die Aneignung wiederum ist wichtig für die Identifikation mit der Lebensumwelt was eine Verbundenheit zum Ort und zur Nach-barschaft mit sich führt.

STRATEGIE Die unmittelbare Nachbarschaft soll zum Prozess der Raumaneignung ungenutzter Flächen animiert werden. Ziel ist die Transformation des  Nicht-Ortes zum Ort. Eine nichtkommerzielle Nutzung garantiert eine barrierefreie Nutzungsmöglichkeit. Das Projekt basiert auf einem Experiment das Initiativen, Projektgruppen und lokale Netzwerke einschießen beziehungsweise begründen soll. Die Grenze zwischen definierter Wohnfläche und ungenutzter öffentlicher Fläche soll zur Lebenswelt mit individuellem Bezug gestaltet werden und somit eine positive Image- und Identifikationsbildung in Gang setzen.

INTERVENTION Plattenbausiedlungen weisen auf Grund Ihrer baulichen Gegebenheiten meist nur unzureichende Möglichkeiten zur sozialen Interaktion aus. Das fehlen integrierter mikroökonomischer Einzelhandelsstrukturen als räumliche Kommunikationsfläche für sozialen Austausch innerhalb der Nachbarschaft stellt einen nachhaltigen Planungsfehler dar.Dieses Defizit lässt sich nur durch radikale Neugestaltung oder räumliche Intervention beheben. Da die beschriebenen Siedlungen im urbanen Raum notwendig sind kanncnur die räumliche Intervention zu einer Revitalisierung der Flächen führen.

ZIEL Durch Anreize zur physischen Aneignung der Umwelt wird diese verändert und von den beteiligten, beziehungsweise unmittelbar betroffenen Personen verändert wahrgenommen. Dadurch kann eine neue Identität des Raumes geschaffen werden. Es ist nicht mehr irgendein Raum sondern „mein“ beziehungsweise „unser“ Raum. Der Prozess der Aneignung variiert abhängig der handelnden Person, der Struktur des Raumes und den zur Verfügung stehenden Mitteln und Ressourcen. Aneignung kann kollektiv und auch individuell erfolgen. Es ist der Versuch, eine persönliche Welt in einer physischen Realität zu verankern, die Anonymität aufzuheben und Vertrauen zu schaffen und dadurch die Umwelt zu personifizieren.


IDEE |  M.FA. TINO HOLZMANN | CHRISTIAN STILLER