LANDRAUMPIONIERE

2020 MASTERTHESIS URBANISTIK | LANDRAUMPIONIERE | RÄUMLICHE ANFORDERUNGEN VON RAUMPIONIER*INNEN AN LÄNDLICH PERIPHERE STANDORTE | BAUHAUS UNIVERITÄT WEIMAR | PROF. DR. FRANK ECKARDT | PROFESSUR FÜR SOZIALWISSENSCHAFTLICHE STADTFORSCHUNG

Die Forschungsarbeit greift die offene Fragestellung auf, welche ländlichen Räume für Raumpionier:innen attraktiv sind. Ziel war es daher vertiefende Erkenntnisse über die Anfor- derungen von Raumpionier:innen an ländlich periphere Standorte zu generieren. Ausgangs- punkt der Erklärung landräumlicher Strukturen bildet nicht die objektive, sondern die von Landraumpionier:innen subjektiv wahrgenommene Wirklichkeit.

Als Grundlage hierfür wurde die heterogene Gruppe der Raumpionier:innen auf den diffusen Ansätzen der Forschung aufbauend klarer gefasst und anhand allgemeiner Merkmale identi- fizierbar gemacht. Diese können auch für weitere Arbeiten mit anderen Forschungsperspekti- ven eine vergleichbare Grundlage darstellen. Mittels Inhaltsanalyse wurden hierfür vorhande- ne wissenschaftliche Beiträge ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Raumpionier:innen sowohl durch raumbezogene als auch durch soziale Eigenschaften definiert werden. Sie ent- scheiden sich bewusst dafür einen vormals ungenutzten Raum zu (re)aktivieren. Dabei han- deln sie selbstorganisiert, streben nach Autonomie und sind proaktive Gestalter:innen ihrer eigenen Visionen und Lebenswelten.

Die Anforderungen an ländlich periphere Standorte wurden durch einen qualitativen For- schungsansatz aus einer akteurszentrierten Perspektive erschlossen. Eine vorbereitende Analyse als Methodenmix aus Literaturrecherche, Expert:innenbefragung und Leitfadeninter- views lieferte Anhaltspunkte über mögliche Anforderungen, welche die Grundlage des Haupt- teils bildete. Leitfragengestützte Interviews mit einem heterogenen Spektrum von Raumpio- nier:innen ermöglichten zielgerichtete und vergleichbare Ergebnisse. Der aus der vorberei- tenden Analyse erstellte Leitfaden, wies ausreichend Spielräume auf und ermöglichte die induktive Bildung weiterer Anforderungskategorien.

Die Ergebnisse des empirischen Teils zeigen, dass Raumpionier:innen bei der Standortwahl keine Ortsverbundenheit besitzen und im Bezug auf Lage, Bauzustände, Versorgung, Mobili- tät und soziale, kulturelle bzw. ökonomische Angebote ein hohes Maß an Kompromissbereitschaft ausfweisen. Neben der Verfügbarkeit kostengünstiger Immobilien und Flächen, benötigen sie jedoch infrastrukturelle Grundausstattung sowie Gruppen und Netzwerke ähnlicher Akteur:innen. Die Untersuchung zeigt auch, dass Anforderungen an ländlich periphere Standorte von Faktoren wie Aufenthaltsdauer, Lebensphase, Gruppengröße und dem Grad der Selbstorganisation abhängig sind.